Biographie

Ein Lebenslauf wird immer maßgeblich von Menschen beeinflusst sein. Menschen, die für eine bestimmte Zeitspanne Wegbegleiter sind, die formen, lehren und Perspektiven ändern. Für den Musiker sind das vor allem die Instrumentallehrer. Mit Klaus Peter Eßer, Günther Heinkelein und Wolfgang Weth hatte ich das große Glück, auf Lehrer zu treffen, die immer ein ehrliches Interesse an mir zeigten, sowohl musikalisch, als auch persönlich. Herr Eßer war ein pädagogisches Urgestein am Badischen Konservatorium. Dort gab es damals zunächst keinen Platz für mich, also nahm er mich als Privatschüler unter seine Fittiche. Da war ich ungefähr 10 Jahre alt, hatte 4 glückliche Jahre in meiner Blockflötengruppe verbracht und eigentlich nicht die geringste Ahnung, ob ich überhaupt Klarinette spielen wollte. Frau Bootz, meine Blockflötenlehrerin, sprach damals die Empfehlung aus und so kam es zu einer kurzen und erfolgreichen Probestunde bei Herrn Eßer. 

Er war streng, ein Lehrer "Alter Schule", in seiner Art aber überaus gütig und fürsorglich. Anhand seiner selbst verfassten und liebevoll handgeschriebenen Klarinettenschulen brachte er mir die Grundlagen des Klarinettenspiels bei. Mit kaum 12 Jahren schickte er mich schließlich zum 1. Mal auf die Bühne. Danach war, glaube ich, allen klar, dass ich dabei bleiben würde.
Leider verstarb Herr Eßer kurz danach.
Mit seinem Nachfolger am Badischen Konservatorium brach eine neue Zeitrechnung an. Günther Heinkelein. Er war ein völlig anderer Typ, locker, witzig und alles andere als autoritär. Aber Klarinette spielen, das konnte er. Mit mir hatte er es sicherlich nicht leicht. Ich hatte mittlerweile Anderes im Kopf und dachte gar nicht daran auch nur einen Ton zu üben. Oft war in dieser Zeit kein Klarinettenlehrer gefragt, sondern vielmehr ein Ratgeber und Fürsprecher. Dass er diese Jahre mitgemacht und mich mitgezogen hat, ist rückblickend schon eine herausragende Lehrerleistung. Schließlich gewann ich mehrere Preise für die beste Leistung im Fach Klarinette am KONS und diverse schulinterne Wettbewerbe. Dass ich Klarinette studieren durfte, habe ich größtenteils ihm zu verdanken. Heute sind wir gute Freunde. Telefonate dauern mitunter außergewöhnlich lange.

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Auch in meiner Schule, dem Helmholtz-Gymnasium Karlsruhe, ging es musikalisch zu. Musik war Hauptfach, das musikalische Angebot überaus vielfältig. Ich wählte, nach kurzen, unbefriedigenden Ausflügen ins Schulorchester, die Jazz AG und blieb bis zum Abitur (1994) in der Schulbigband. Dort spielte ich abwechselnd Alt- oder Baritonsaxofon. Geleitet wurde die Bigband von Herrn Horst Günther Rothe, einem evangelischen Religionslehrer. Nur selten in meinem Leben habe ich einen liebenswürdigeren und hingebungsvolleren Menschen getroffen. Unermüdlich probte er mit uns, lebte uns "seine" Musik vor. Unter seiner Regie hatten wir sensationelle Studioabende, die Turnhalle der Schule war stets brechend voll. Wir spielten im Karlsruher Jazz Club "Jubez", reisten mehrfach nach Halle und mit dem Zug in die Ukraine. Auf dem Höhepunkt unseres Schaffens, gewannen wir 1990 den Landeswettbewerb "Jugend Jazzt".
Der Grund, warum ich mich schließlich der klassischen Musik zuwandte, war das Bläserquintett des Badischen Konservatoriums in welches ich, eher durch einen Zufall, 1991 aufgenommen wurde. Geleitet wurde das Quintett von Oscar Bohorquez, dem damaligen Solofagottisten der Badischen Staatskapelle. Er führte das Ensemble mit hohem Anspruch und einer ungeheuren Detailversessenheit, die ich bis dato nicht kannte. Das gefiel mir. Und die Tatsache, dass ich den übrigen Kollegen ein wenig hinterherhinkte, spornte mich an. Also begann ich zu üben. Mit dem Erfolg, ich war inzwischen auch Mitglied in einem Trio d´anches, hatte ein
Duo mit Klavier, spielte im Sinfonischen Blasorchester des KONS und hatte erste Solokonzerte mit einem Sinfonieorchester hinter mir, reifte der Gedanke, Musik zu studieren.

Obwohl ich Aufnahmeprüfungen an verschiedenen Musikhochschulen bestanden hatte, kam für mich von vorneherein nur ein Lehrer in Frage, bei dem ich studieren wollte. Wolfgang Weth, Soloklarinettist der Badischen Staatskapelle und Lehrbeauftragter an der Hochschule für Musik Karlsruhe. Er war die prägende Person meiner zwanziger Jahre, ein Musikant, ein Vorbild, eine Vaterfigur. Jemand, der Verantwortung übernahm, weit über Pflichterfüllung hinaus. Er verstarb 2015.
Bis zu meinem Abschluss im Jahr 2002 gab es für mich viel zu tun. Neben dem immensen Übaufwand, hatte ich diverse Ensembles. Ich tourte mit einem Streichquartett durch die Region und spielte die großen Klarinettenquintette von Mozart, Weber und Brahms, hatte ein Klarinettentrio mit Cello und Klavier, mehrere Klavierpartner, ein Bläserquintett und ich blieb ein stückweit dem Badischen Konservatorium treu, spielte dort noch immer im Sinfonischen Blasorchester. Mit dem mitbegründeten Carl-Robert-Helg Ensemble erhielt ich 2001 den Initiativpreis der Europäischen Kulturstiftung, bereits 1998 den Förderpreis des Fördervereins der Hochschule für Musik Karlsruhe. Außerdem war ich seit 1996 ständige Aushilfe am Badischen Staatstheater und unterrichtete an verschiedenen Musikschulen. Nach einem kurzen, eher unerfreulichen Intermezzo bei den Stuttgarter Philharmonikern, landete ich 2004 bei der Klassischen Philharmonie Bonn, wo ich seither Soloklarinettist bin. Unter der Leitung von Heribert Beissel hatte ich im letzten Jahrzehnt die Möglichkeit, alle großen Klarinettenkonzerte in den bedeutendsten Konzertsälen Deutschlands aufzuführen. Da gab es unvergessliche Momente für mich, wie bspw. das Mozartkonzert im Innenhof des Poppelsdorfer Schlosses in Bonn, oder das 2. Klarinettenkonzert von Louis Spohr, das ich in der Laeiszhalle Hamburg, im NDR- Sendesaal Hannover und im Konzerthaus Berlin spielen durfte.

Erwähnenswert sei an dieser Stelle, dass ich in diesem Orchester auch meine Frau kennengelernt habe. Unsere gemeinsame Tochter Anna Lena wurde im Juni 2019 sechs Jahre, unser Sohn Liam Emanuel wurde gerade 1 Jahr alt . Zusammen leben wir in Karlsruhe, der lebenswertesten Stadt Deutschlands...

Wenn ich heutzutage über meinen Lebensweg nachdenke, sehe ich nicht meine künstlerischen Momente. Ich sehe die Menschen, die ich bei mir hatte und habe. Familie und insbesondere meine Kinder, Freunde, die besten Großeltern der Welt. Ich kann dann nur demütig sagen: Glück gehabt.